Weltweit wirksame Vision

Wenn Clara Fey am 5. Mai in Aachen selig gesprochen wird, feiern Zehntausende auf dem Globus mit

Schwestern Nachricht (c) privat
Schwestern Nachricht
Di 10. Apr 2018
Thomas Hohenschue
Der große Tag rückt näher. Am 5. Mai wird Clara Fey in Aachen selig gesprochen. Hunderte Schwestern vom armen Kinde Jesus sitzen sprichwörtlich auf gepackten Koffern. Das Ereignis zieht Ordensfrauen aus ganz Europa, aus Lateinamerika und Indonesien an.
Schwestern vom armen Kinde Jesus (c) privat
Schwestern vom armen Kinde Jesus

Sie reisen mit Flieger oder Bussen an, wenn die Gründerin ihrer Kongregation die geistliche Würdigung erhält.

Die Sorge um Kinder und um Familien prägt die Arbeit der Schwestern vom armen Kinde Jesus seit über eineinhalb Jahrhunderten. Der Radius ihres Wirkens ist beständig gewachsen: zunächst innerhalb Deutschlands, dann innerhalb Europas. Inzwischen ist die Gemeinschaft außerhalb des Abendlandes stärker als auf dem europäischen Kontinent. Während sie in Deutschland und den Nachbarländern schrumpft, wächst sie ganz dynamisch in Indonesien. Dort werden fortlaufend Konvente, Kinderheime, Kooperationen mit Kirchengemeinden gegründet. Auch der Altersschnitt spricht Bände: In Mitteleuropa beträgt er 78 Jahre, in Indonesien hingegen 45 Jahre. 150 Schwestern zählen dort weniger als 65 Jahre, in ganz Europa gerade noch 18. Generaloberin Henriette Mensen kennt die Zahlen ganz genau. Selbstverständlich begreift sie die Entwicklung als Herausforderung. Aber sie leitet daraus eine Botschaft ab, die sich durchaus übertragen lässt auf andere geistliche Gemeinschaften bis hin zu ganzen Ortskirchen.

„Wichtig finde ich, dass wir nicht nur die Zahlen sehen, denn alle Gemeinschaften gehen durch Zeiten des Wachstums und des Schrumpfens. Auch wir hier in Europa haben eine blühende Zeit erlebt“, sagt sie einleitend. Wichtiger sei es, „wie wir unser Leben, unsere Gemeinschaft gestalten, und das ist nicht so sehr abhängig von der Zahl und dem Alter der Schwestern. Denn nicht nur der Einsatz meiner Kräfte macht mich wertvoll, sondern meine Berufung durch Gott.“ Was folgt daraus? „Nicht meine Arbeitskraft gibt mir Sicherheit für die Zukunft, vielmehr bin ich davon getragen, dass Gott mich liebt. Nicht die eigene Leistung ist Garant meines Lebens, sondern Gott selbst hält seine schützende Hand über mich.“ Und nun folgt die entscheidende Schlussfolgerung: „Wenn diese Gewissheit in mir vorherrscht, brauche ich keine Angst vor Mitgliederschwund oder Überalterung zu haben.“

 

Immer eine richtige Antwort auf den Ruf der Region und der Zeit geben

Wenn Clara Fey am 5. Mai selig gesprochen wird, erfährt die internationale Wirkkraft ihrer Vision neue Aufmerksamkeit und Würdigung. Zehntausende Menschen werden weltweit das Ereignis begehen. Das sind zum einen die Schwestern in Europa, Lateinamerika und Asien, zirka 450 an der Zahl, und ihre Schützlinge. Zum anderen sind es die Mitarbeiter ihrer Einrichtungen, die örtliche Bevölkerung rund um Kinderheime, Schulen, Konvente – und nicht zuletzt die Ortsbischöfe, kirchliche Mitarbeiter und viele weitere Freunde und Förderer, welche die Arbeit der Schwestern mit Zeit-, Sach- und Geldspenden unterstützen. Die Seligsprechung ist vielerorts der Auftakt für Gedenken, Vergewisserung, Gemeinschaftspflege, mancherorts sogar ein ganzes Jahr lang. Schwester Henriette freut sich darauf, im Mai viele Mitschwestern zu dem besonderen Ereignis am Muttersitz der Kongregation begrüßen zu können. Clara Fey erhält in der Kind-Jesus-Kapelle an der Jakobstraße eine würdige Grabstätte, die künftig Anlaufstelle für Pilger aus der ganzen Welt sein wird. Gewürdigt wird mit all dem der Gedanke, den Clara Fey angesichts der sozialen Not ihrer Zeit entwickelte. Wie ihr Anliegen sich konkret entfaltet, hängt vom jeweiligen Ruf der Region und Zeit ab. Im jungen Indonesien ist es zum Beispiel die Sorge um Kinder, die in großer Armut aufwachsen. In Lettland kümmern sich die Schwestern in besonderem Maße um kinderreiche Familien. In Deutschland haben sie sich in einem sozialen Brennpunkt in Bonn auf den Weg gemacht, wohnen dort, sind ansprechbar für die Menschen, die im Viertel wohnen. Sie arbeiten unter anderem mit im Arbeitslosenzentrum, unterstützen Flüchtlinge und Schulkinder, machen Hausbesuche.

So haben sie weltweit ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen – und leben eng verbunden als geistliche Gemeinschaft. „Clara Fey ist uns auch heute ein Vorbild“, bekräftigt Schwester Henriette. „Von ihr können wir lernen, genau hinzusehen auf die Nöte der Zeit, in der wir leben. Dies ist eine Aufgabe, die uns von Gott stets neu gestellt ist.“ Diese Dynamik fordert heraus: „Wir brauchen den Mut zur Veränderung, wenn wir unserem Auftrag in der Welt treu bleiben möchten. Es geht also darum, täglich neu zu konkretisieren, wozu wir als Schwestern uns am Anfang entschieden haben.“ Auch diese Treue in allem Wandel erfährt am 5. Mai eine Würdigung.

Schwestern in Indonesien (c) privat